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Mozarts „Don Giovanni“ gerät am Theater Lübeck zur Farce

Der Opernbesucher muss sich auf ein ambivalentes Verhalten zum Werk einstellen
Mozarts „Don Giovanni“ gerät am Theater Lübeck zur Farce
15. April 2019 (HL-Red- Kaum hat die Vorstellung begonnen, grübelt man, ob es mit der digitalen Welt in Zusammenhang steht, dass ein unbeschwerter Opernbesuch ad acta gelegt werden muss.
Wer gar das Wagnis eingehen möchte, ein Opernlibretto zu verfassen, sollte sorglos an die Sache herangehen. Heutzutage findet ohnehin keine 1:1 Umsetzung statt. Jeder Regisseur kocht sein eigenes Süppchen und sei es noch so anders geartet, als vorgesehen. Das Theater Lübeck  lädt dann zu einem Diskussionsabend ein, an dem der einfältige Gast dann seine Meinung über Bord werfen sollte, um in den Kreis der vermeintlich Intellektuellen aufgenommen zu werden. Man darf ja auch während der Vorstellung mitsingen – toll!

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Evmorfia Metaxaki (Donna Anna), Johan Hyunbong Choi (Don Giovanni), Chor des Theater Lübeck, Statisterie

Foto: Olaf Malzah

Eine gute Nachricht: Die Musik von Mozart bleibt. Ansonsten spielt das Stück in der psychiatrischen Klinik. Nicht, dass die Opernbesucher das Heim aufsuchen sollten, sondern die  Protagonisten agieren hier in unverständlicher Art und Weise. Vielleicht hätte die Regisseurin Martina Veh  Passolinis Film „Teorema“ besser nicht gesehen; denn der Komtur wird in der hiesigen Aufführung von seiner Tochter Anna umgebracht. Der Zuschauer muss auch das schlucken. Der Ort des Geschehen  bietet in der Tat viel Spielraum für Baußergewöhnliche Spielansätze, die jedoch leider verschenkt werden.
Bei Martina Veh stehen vor allem die Herren der Schöpfung im Mittelpunkt. Allen voran Don Giovanni. Leichtfüßig und sehr relaxt Johann Hyunbong  Choi. Ihm nimmt man den nimmersatten Verführer ab.Taras Konoshenko  in der Rolle des Leporello, Diener seines Herren ist sehr überzeugend, mit großer komödiantischer Allüre. Alexander James Edwards spielt einen liebenswerten Don Ottavio. Mario Klein gibt den Maretto und Szymon Chojnacki einen brillanten Komtur.
Die Zerlina der Andrea Stadel  bringt am meisten Mozartsches Flair in den Abend. Eine unübertroffene Leistung. Wioletta Hebrowska  als Donna Elvira muss sich in dieser Rolle beweisen. Die Donna Anna der Emorfia Metaxaki hat neben Anfangsschwierigkeiten wunder bare Kopftöne aufzuweisen.
Jan-Michael Krüger ist eins mit seinem Chor,  vor allem in der Umsetzung der schwierigen Charaktere in der psychiatrischen Klinik. Man erlebt bewundernswerte schauspielerische Leistungen. Am Pult der beliebte Andreas Wolf. Er kann  dem Regiekonzept ausweichen – und das ist gut so.

Helga Rottmann

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